Digitalisierung
Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Haselhorst Associates belegte Bad Vilbel im Smart-City-Ranking deutschlandweit einen sehr niedrigen Platz (Rang ca. 325 von über 400 untersuchten Städten) und wurde als „digitaler Einsteiger“ eingestuft. Das bedeutet: Bad Vilbel liegt im Vergleich zu anderen Mittelstädten deutlich hinter Städten wie Bad Nauheim, die deutlich höhere Digitalisierungswerte erreichen. Unser Ziel, eine voll-digitalisierte, nutzerfreundliche und sichere Verwaltung bis 2028 ermöglichen und Bürgerbeteiligung stärken.
Per App auf Amt: nutzerfreundliche Service rund um die Uhr
Die Stadtverwaltung hat im Frühjahr 2025 ein Digitalkonzept vorgestellt, was ein wichtiger Schritt ist und die politische Priorisierung zeigt. Doch die vollständige Umsetzung steht noch aus. Zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetz (OZG) wurden 150 kommunale Leistungen identifiziert, davon sind erst rd. 60 vollständig oder teil-digitalisiert, z.B. Online-Beantragung von Geburts- und Eheurkunden, Kita-Betreuungsplatz, Bewohnerparkausweis. Die neue Homepage der Stadt wurde technisch und strukturell überarbeitet und dient als „digitales Schaufenster“, das Informationen und Online-Services bündelt. Die VilApp der Stadtwerke bietet einen digitalen Alltags- und Bürgerservice (Abfallkalender, E-Mobility-Info, Self-Service für Verträge, Bus-Tracking etc.), rein informativ. Ein digitales Rathaus braucht ein voll integriertes Bürgerportal mit sicherem Login und einem App-basierter Service.
Schlanker Staat durch moderne Prozesse und interne Digitalisierung
Die digitale Transformation geht über das bloße Frontend, d.h. der Interaktion mit Bürgerinnen und Bürger, hinaus, auch interne Prozesse sind vollständig digital, papierlos zu modernisieren. Standardisierte Verwaltungsprozesse sollen nach dem EfA-Prinzip (Einer für Alle) entwickelt werden. Intern werden im Rathaus Bad Vilbel bereits digitale Arbeitsprozesse eingeführt, z. B. E-Akte, E-Payment, mobile Arbeitsplätze und Cyber-Security-Maßnahmen. Das ist wichtig für eine effizientere Verwaltung, doch ein langwieriger Prozess: Daher gilt es die Mitarbeiterschaft mitzunehmen. Bürgerzentrierte Prozesse bedürfen eines digitalen Mindset der Belegschaft, was ein Changemanagement im Rathaus sicherstellen kann. Beschäftigte in der Verwaltung brauchen digitale Kompetenzen, neben Weiterbildung und Rekrutierungsstrategien sowie eine moderne Arbeitswelt.
Ausbau digitaler Identitäten (eID) für Bürger und Bürgerinnen
In Deutschland existiert bereits eine bundesweit gültige eID: Online-Ausweisfunktion (eID) des Personalausweises und BundID als Zugangskonto. Jedoch ist die Nutzung sehr niedrig. Eine digitale Identität (eID) ist die Grundlage für sichere digitalen Dienstleistungen der Verwaltung. Besonders kommunale Dienstleistungen würden profitieren von einer solchen eID. Um die Nutzung in Bad Vilbel auszubauen, sollen Mitarbeitenden geschult werden und bei jedem Ausweisvorgang proaktiv für die Nutzung eID zu werben. Die Einrichtung eines „Digital-Schalters“ soll Hilfestellung bieten, bei App-Installation, Erstlogin BundID und ggf. auch einzelnen Prozessen. Die Beratung dauert nur 5–10 Minuten pro Person, hat aber eine große Wirkung, da es eine der größten Nutzungshürde nimmt, die Unsicherheit der Nutzer. Um digitale Teilhabe zu sichern, braucht es öffentliche Zugänge, denn nicht jeder hat ein Smart-Phone oder Laptop: Also eID-Terminals in öffentlich zugängliche Rechner mit Kartenlesegerät und Unterstützung im Rathaus, Kurhaus, Stadtbibliothek und in allen Bürgerhäusern.
Transparenz, Open Data & Innovation in öffentlichen Projekten
FDP Hessen setzt sich für ein echtes Open-Data-Gesetz mit aktiver Veröffentlichungspflicht ein, damit öffentliche Digitalisierungsprojekte nach Möglichkeit Open Source sein können, um Wiederverwendbarkeit und Wettbewerb zu fördern und damit Kosten zu sparen. Daten der Kommunen (anonymisiert) sollen offen zugänglich gemacht werden, um Innovation zu erleichtern, bspw. Datenbasierte Start-ups ermöglichen. Kommunen sollen nicht hinter „Insel-Lösungen“ zurückbleiben, sondern von gemeinsamen, offenen Standards profitieren.
Digitale Infrastruktur & Datenlage ausbauen
DSL, Kabel und teilweise Glasfaser sind in Bad Vilbel vorhanden. Highspeed-Verfügbarkeit kann von Straßensegment zu Straßensegment unterschiedlich sein. Weitaus wichtiger für eine zukunftsfähige Kommune ist der Ausbau des Internets der Dinge (IoT), z. B. für smarte kommunale Anwendungen (Parkraummanagement, Sensorik für Verkehrsdaten, Bewässerung des Kurparks, etc.), der Dateninfrastruktur und LoRaWAN-Netzen. Solche Netz- und Funklösungen sind die technische Grundlage, damit Kommunen digitale Services überhaupt anbieten können und datenbasierte Entscheidungen treffen können.
Kommunale Digitalisierungspolitik konkret durch digitale Gremienarbeit
Mit der Novelle der Hessischen Gemeindeordnung (HGO), die im Frühjahr 2025 in Kraft getreten ist, wurde die rechtliche Grundlage dafür geschaffen, dass kommunale Gremien digitale Sitzungen abhalten und Live-Streaming ermöglichen, allerdings keine digitalen Abstimmungen. Daher digitale Sitzungen der Gremien ganz oder teilweise digital erleichtert die Wahrnehmung des politischen Ehrenamts für Berufstätige, mit Kindern oder anderen privaten Verpflichtungen, da bei kurzfristigen Ausfall von Kinderbetreuung eine Teilnahme ermöglicht wird. Live-streaming und Webbasierte Dokumentation der Sitzungen machen die Kommunalpolitik transparenter, zugänglicher und nachvollziehbarer. Hierfür ist die Hauptsatzung anzupassen und digitale Teilnahme aufzunehmen, technische Ausstattung für sichere Übertragung und Teilnahme anzuschaffen und Live-Streaming zu veröffentlichen. Bei der heutigen Technologie halten sich die Anschaffungskosten in Grenzen und städtisches Personal unterstüzt die Organisation und Logistik schon heute.
Digitale Bürgerbeteiligung erhöht die politische Teilhabe
Die Möglichkeit von Online-Petitionen in der Satzung von Bad Vilbel war ein erster Schritt. Darüber hinaus sind mehr Online-Befragungen zu bestimmten Themen, bspw. Jugend-partizipation und Mobilität ein bewährter Weg, mehr Teilhabe zu ermöglichen. Digitalisierung bietet weit mehr Chancen, unsere Demokratie zu stärken: Partizipative und digitale Bürgerhaushalte. Teile des Haushalts für die Stadtteile werden digital diskutiert & priorisiert, Anwohner stimmen über Projekte auf einer Online-Plattform ab. So wird Kommunalpolitik transparenter, reale Entscheidungsmacht abgegeben und die Beteiligungsquote steigt.
Konflikte lassen sich durch frühe digitale Beteiligung bei Bau- und Stadtentwicklungs- projekten minimieren. Statt nur gesetzlich vorgeschriebene Dokumente online zu veröffentlichen, könnten anhand interaktiver Karten mit Kommentarfunktion Wünsche und Sorgen der Bürger und Bürgerinnen eingeholt werden und in Online-Informations- Veranstaltungen der Stadt gemeinsam mit Entwicklern und Investoren öffentlich diskutiert werden. Die Methode der Aktualisierung des Radverkehrskonzept dient als gutes Beispiel.
Smart City Ansätze aufgreifen & kommunale Innovation durch Vernetzung
Smart City-Ansätze gehen über die Digitalisierung der Verwaltung hinaus und umfassen alle anderen Bereiche wie Mobilität, Energie, IoT-Kommunikation. Wir setzen uns dafür ein, dass Bad Vilbel an Best-Practice-Netzwerken zwischen Kommunen teilnimmt, um von anderen Kommunen zu lernen und erfolgreiche digitale Projekte übernimmt, damit Bad Vilbel in Smart-City-Rankings vordere Plätze erzielt.
